Der Ausschluss von Macklemore aus dem Vorprogramm von Ed Sheerans US-Tour hat eine breite Solidaritätswelle ausgelöst. Finneas, Lukas Graham, Aaron Rowe und die irische Band Beoga zogen sich aus der Tour zurück, nachdem der Rapper wegen pro-palästinensischer Aussagen von weiteren Auftritten ausgeschlossen worden war. Ed Sheeran erklärte, die Entscheidung sei nicht von ihm, sondern vom Veranstalter und mehreren Stadionbetreibern getroffen worden. Einer der zentralen Akteure ist Robert Kraft, Eigentümer des Gillette Stadiums, der Macklemore frühere antisemitische Bildsprache und problematische Aussagen vorwirft. Macklemore weist diesen Vorwurf zurück und betont, seine Kritik richte sich gegen israelische Politik, nicht gegen jüdische Menschen weltweit.

Macklemore nach „Free Palestine“-Aussagen aus Tour gestrichen

Die Kontroverse begann nach einem Auftritt von Macklemore im MetLife Stadium in New Jersey Anfang September. Vor seinem Song Hind’s Hall sprach der Rapper über die Lage in Gaza und im Westjordanland und rief unter anderem „Free Palestine“. Er erklärte zugleich, Kritik an Israel und an der israelischen Regierung dürfe nicht als Kritik an jüdischen Menschen verstanden werden.

Nach diesem Auftritt formierte sich Widerstand gegen weitere Auftritte des Rappers im Rahmen von Ed Sheerans „Loop Tour“. Der Israeli-American Council rief zu seiner Entfernung aus dem Programm auf. Mehrere Stadionbetreiber signalisierten nach Angaben von Sheeran, dass sie Konzerte möglicherweise nicht stattfinden lassen würden, falls Macklemore weiterhin als Support-Act auftrete.

Eine besonders zentrale Rolle spielte Robert Kraft, Eigentümer der New England Patriots und des Gillette Stadiums bei Boston. Kraft bestätigte öffentlich, dass Macklemore in seinem Stadion nicht auftreten dürfe. Er begründete dies nicht allein mit dessen jüngsten pro-palästinensischen Aussagen, sondern auch mit einer aus seiner Sicht problematischen Vorgeschichte.

Ed Sheeran sagt: Die Entscheidung war nicht meine

Ed Sheeran selbst betonte mehrfach, dass er Macklemore nicht persönlich aus dem Programm gestrichen habe. Nach seiner Darstellung lag der Vertrag des Rappers beim Tourveranstalter und nicht bei ihm. Sheeran erklärte, er habe versucht, zwischen Macklemore, den Stadionbetreibern und verschiedenen Interessengruppen zu vermitteln, habe jedoch keine Lösung gefunden.

Sheeran sagte außerdem, er sei über das Leid sowohl von Israelis als auch von Palästinensern erschüttert. Gleichzeitig wolle er seine Konzerte nicht zu politischen Foren machen. Er respektiere Macklemores Entschlossenheit, für seine Überzeugungen einzutreten, bevorzuge selbst aber einen anderen Ansatz.

Damit versuchte der britische Musiker, sich einerseits von der konkreten Entscheidung zu distanzieren und andererseits deutlich zu machen, dass er Macklemores Form des politischen Aktivismus nicht vollständig teilt. Ob ein Künstler von Sheerans Größe tatsächlich völlig ohne Einfluss auf die Auswahl seiner Vorbands ist, wird allerdings diskutiert. Branchenexperten weisen darauf hin, dass große Headliner üblicherweise erhebliche Kontrolle über kreative Entscheidungen und Tourbesetzungen haben, auch wenn Veranstalter und Stadien ebenfalls beträchtliche Macht besitzen.

Alle übrigen Support-Acts ziehen sich zurück

Die Entfernung Macklemores löste innerhalb weniger Stunden eine bemerkenswerte Reaktion aus. Finneas, Lukas Graham, Aaron Rowe und Beoga kündigten an, ihre geplanten Auftritte mit Ed Sheeran abzusagen. Sie begründeten dies ausdrücklich mit Solidarität mit Macklemore und der palästinensischen Bevölkerung.

Finneas erklärte, Künstler dürften nicht zum Schweigen gebracht werden, wenn sie sich für Unterdrückte einsetzten. Der irische Sänger Aaron Rowe verwies auf die Geschichte Irlands und schrieb, er könne nicht hinnehmen, dass Milliardäre ihren Einfluss nutzten, um politische Stimmen zu unterdrücken. Beoga sprach von einer „Silencing“-Kampagne gegen Macklemore, während Lukas Graham erklärte, wirtschaftliche Macht dürfe nicht darüber entscheiden, wer über Krieg und zivile Opfer sprechen dürfe.

Die Reaktionen machten die Affäre zu mehr als einem Streit über einen einzelnen Support-Act. Innerhalb weniger Tage entwickelte sich daraus eine Debatte über Redefreiheit, Antisemitismus, Israelkritik, die Macht privater Stadionbesitzer und die politische Verantwortung prominenter Musiker.

Robert Kraft begründet seine Entscheidung mit Antisemitismusvorwürfen

Robert Kraft bestreitet nicht, dass er Einfluss auf Macklemores Ausschluss genommen hat. Er erklärte, dessen Auftritt im Gillette Stadium hätte aus seiner Sicht eine Grenze überschritten. Kraft verwies dabei auf „antisemitische Rhetorik und Bildsprache“, die er Macklemore in der Vergangenheit zuschreibt.

Kraft betonte allerdings auch, die Entscheidung richte sich nicht gegen Solidarität mit Palästinensern. Das Leid palästinensischer Zivilisten sei real, erklärte er. Unterstützung für Palästinenser dürfe seiner Ansicht nach jedoch nicht auf Kosten der jüdischen Gemeinschaft gehen oder die Verantwortung der Hamas für Gewalt ausblenden.

Macklemore weist den Vorwurf zurück, seine politischen Aussagen seien antisemitisch. In mehreren Stellungnahmen erklärte er, sein Ziel sei Gleichheit, Würde und Sicherheit für alle Menschen. Seine Kritik richte sich gegen israelische Regierungspolitik, Besatzung und Kriegführung, nicht gegen Juden als Gruppe.

Eine Kontroverse aus dem Jahr 2014 spielt wieder eine Rolle

Krafts Kritik bezieht sich offenbar nicht ausschließlich auf Macklemores aktuelle Aussagen. Bereits 2014 war der Rapper wegen eines Bühnenkostüms massiv kritisiert worden. Bei einem Auftritt trug er eine dunkle Perücke, einen Bart und eine große künstliche Nase. Kritiker sahen darin eine antisemitische Karikatur.

Macklemore erklärte damals, er habe keine jüdische Figur darstellen wollen. Das Kostüm sei zufällig zusammengestellt gewesen, räumte jedoch zugleich ein, dass es als antisemitisches Stereotyp verstanden werden könne. Er entschuldigte sich ausdrücklich bei Menschen, die sich dadurch verletzt fühlten.

Dieser Vorfall wird heute von Kraft und anderen Kritikern erneut angeführt. Er zeigt zugleich, weshalb die aktuelle Auseinandersetzung nicht vollständig auf die Formel reduziert werden kann, Macklemore sei lediglich wegen der Worte „Free Palestine“ ausgeladen worden.

Das bedeutet allerdings ebenso wenig, dass die Antisemitismusvorwürfe automatisch bewiesen wären. Bei der Bewertung seiner aktuellen Aussagen muss zwischen konkreter Kritik an Israel, politischer Rhetorik und tatsächlich antisemitischen Aussagen unterschieden werden. Genau darüber gehen die Einschätzungen im aktuellen Konflikt weit auseinander.

Macklemore spendet eine Million Dollar für palästinensische Hilfe

Nach seiner Entfernung von der Tour kündigte Macklemore an, seine Netto-Einnahmen aus den bereits absolvierten Auftritten in Höhe von einer Million US-Dollar an Hilfsorganisationen für Palästinenser zu spenden. Zu den von ihm genannten Organisationen gehören mehrere medizinische und humanitäre Initiativen.

Gleichzeitig forderte er Robert Kraft öffentlich auf, denselben Betrag zu spenden. Kraft reagierte darauf mit einer eigenen Zusage. Berichten zufolge kündigte er zwei Millionen Dollar für humanitäre Hilfe im Nahen Osten an und erklärte, Ed Sheeran habe ihn zu dieser Spende ermutigt.

Damit verlagerte sich die Auseinandersetzung teilweise von der Frage der Tourbesetzung auf konkrete humanitäre Hilfe. Der politische Grundkonflikt blieb jedoch bestehen.

Auch Pink kritisierte Macklemore

Nicht alle prominenten Künstler stellten sich hinter Macklemore. Sängerin Pink, die jüdische Wurzeln hat, kritisierte Teile seines Auftritts und verwies ebenfalls auf den Kostümvorfall von 2014. Gleichzeitig erklärte sie, die Rechte und das Leid palästinensischer Zivilisten anzuerkennen und nicht jede Kritik an Israel als antisemitisch zu betrachten.

Damit zeigt auch ihre Reaktion, wie schwierig die Debatte geworden ist. Selbst unter Künstlern, die sich grundsätzlich für Menschenrechte und humanitäre Hilfe aussprechen, gibt es unterschiedliche Bewertungen darüber, wann politische Israelkritik legitim bleibt und wann verwendete Bilder oder Botschaften problematisch werden.

Die einfache Cancel-Culture-Erzählung greift zu kurz

Die Darstellung, Macklemore sei ausschließlich deshalb „gecancelt“ worden, weil er sich für ein freies Palästina ausgesprochen habe, bildet daher nur einen Teil der Ereignisse ab. Seine pro-palästinensische Haltung war klar der unmittelbare Auslöser des aktuellen Konflikts, doch Kraft und andere Kritiker berufen sich zusätzlich auf frühere Vorfälle und auf die konkrete Inszenierung seiner Auftritte.

Umgekehrt lässt sich auch nicht einfach feststellen, Macklemores Ausschluss sei ausschließlich eine Reaktion auf Hassrede gewesen. Der Rapper bestreitet diesen Vorwurf, seine Unterstützer sehen vielmehr einen Versuch mächtiger Stadionbesitzer und Interessengruppen, legitime politische Kritik zu unterdrücken. Die übrigen Support-Acts machten sich diese Sicht zumindest teilweise zu eigen.

Der Fall zeigt deshalb vor allem, wie schwer politische Botschaften, künstlerische Freiheit, wirtschaftliche Interessen und Antisemitismusvorwürfe im aufgeheizten Kontext des Nahostkonflikts voneinander zu trennen sind.

Sheerans Tour läuft weiter – vorerst ohne die bisherigen Vorbands

Trotz der zahlreichen Absagen soll Ed Sheerans Tour weitergehen. Nach den jüngsten Berichten stehen noch mehrere Termine in Nord- und Südamerika aus. Die bisherigen Support-Acts haben sich jedoch zurückgezogen, sodass die Organisation kurzfristig Ersatz finden muss.

Für Sheeran ist die Affäre besonders heikel, weil er sich selbst als politisch zurückhaltenden Künstler versteht. Genau diese Haltung wird nun von beiden Seiten kritisiert: Macklemores Unterstützer werfen ihm vor, sich nicht klar genug gegen den Ausschluss gestellt zu haben, während Kritiker des Rappers argumentieren, Sheeran hätte politische Botschaften auf seiner Tour stärker begrenzen müssen.

Die Kontroverse dürfte deshalb auch nach Macklemores Ausscheiden nicht beendet sein. Sie hat vielmehr eine grundsätzliche Diskussion darüber ausgelöst, wer bei großen Konzerttourneen tatsächlich entscheidet, welche politischen Botschaften auf einer Bühne Platz haben – Künstler, Veranstalter, Stadionbesitzer oder letztlich das Publikum.

Österreich News Online – ONO
Bild: Reuters

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